Wir sind nach Thailand ausgewandert und waren vorher noch nie da
Was mit ein paar Gehirnfürzen über ein Leben im Ausland angefangen hat, endete schneller als gedacht mit verkauften Sachen, gekündigter Wohnung, gepackten Koffern und einem One-Way-Ticket in ein unbekanntes Land. Yeyyy!

Eigentlich wollten wir nur irgendwann dem deutschen Winter entkommen und zumindest zeitweise im Ausland leben. Und plötzlich hatten wir so gut wie alles verkauft, den Rest in wenige Koffer gepackt und uns ein One-Way-Ticket nach Thailand gebucht. Ein Land, in dem wir vorher noch nie gewesen sind.
Hätte mir das jemand ein paar Jahre vorher gesagt, hätte ich ihn wahrscheinlich gefragt, ob er einen am Schlappen hat. Und trotzdem kam das Ganze durch vier ziemlich harmlose Worte ins Rollen:
"Stell dir mal vor..."
Eigentlich wollten wir nur überwintern
Der Gedanke, in den kalten Monaten in die Sonne zu fliegen, war schon lange da. Den Winter haben wir nie gemocht.
Grau, kalt, immer dunkel, alles tot und man wartet einfach MONATELANG darauf, dass der Frühling wieder losgeht. Ja, Winterdepressionen kicken hart. Aber Auswandern war nicht der Plan. Ich hatte nicht mal drüber nachgedacht. Nur Überwintern, das wäre schon ganz nett gewesen.
Bis zu diesem Zeitpunkt sind wir aber auch noch nicht viel in der Welt unterwegs gewesen. Während der Ausbildung und des Studiums waren maximal kurze All Inclusive Urlaube drin. Also vom Buffet zum Strand rollen, verdauen und wieder von vorne.
Das hat sich 2023 geändert.
Sechs Wochen Bali haben alles verändert
Nach dem Studium habe ich ein Jahrespraktikum in einer Agentur gemacht, das mir den letzten Nerv geraubt hat. Also haben wir beschlossen, eine längere und etwas andere Reise zu machen als üblich, bevor der Wahnsinn weitergeht.
Wir wollten nach Bali. Klassiker, oder? Rucksack, Roller, eine Unterkunft für die ersten 3 Tage in Canggu und ansonsten keinen Plan. Also kein "Urlaub", sondern "Reisen".
Man hört ja immer wieder von Leuten, die reisen waren, wie sehr sie diese Zeit verändert hat und ich dachte immer: "Ja, komm. Ist ok.". Aber sie haben halt einfach recht.
Ich habe mich noch nie in meinem Leben so frei und lebendig gefühlt. Aus dem Rucksack zu leben, morgens für abends zu buchen, einfach draufloszufahren, neue Menschen kennenzulernen – und das alles über so einen langen Zeitraum, dass du irgendwann vergisst, dir über die Dinge Sorgen zu machen, die dich sonst ständig beschäftigen. Du bist einfach im Moment. Und lebst. Da kommt man natürlich ans Nachdenken.

Als wir am Ende unserer Reise für eine Woche in Uluwatu waren, haben wir jeden Morgen zwei Stunden Surfunterricht genommen und sind danach ins Alchemy zum frühstücken gefahren (kleine Empfehlung am Rande, schmeckooo!).
Da sind sie mir das erste mal so krass aufgefallen: die Digital Nomads. Laptop, Iced Coffee, Salz in den Haaren, knusprig braun gebrannt. Träumchen. Natürlich haben wir uns gefragt, wie ihr Alltag wohl aussieht und was sie machen, um so leben zu können. Und eine Frage war besonders präsent:
"Wie uuunfassbar geil wäre es eigentlich, wenn wir das auch könnten?"
Naja, ein paar Tage später ging dann der Rückflug nach Deutschland und die Klatsche war... hart.
Zurück in Deutschland, mitten im November
Nach sechs Wochen Bali-Bubble ging es für uns wieder zurück. Im November. Ein besseres Timing hätte es nicht geben können und ja... die Freude war groß. Nicht.

Das nasse, graue Wetter knallt nochmal anders rein, wenn du vorher im Paradies warst und selbst die Menschen kamen uns plötzlich viel unfreundlicher vor als vorher. Natürlich hatte sich Deutschland in diesen sechs Wochen nicht verändert.
Aber wir.
Auf unseren täglichen Seerunden mit unserer Hündin Duffy haben wir dann angefangen, uns unser Leben woanders auszumalen.
"Stell dir mal vor..."
"Stell dir mal vor, wir würden remote arbeiten und leben, wo es warm ist."
"Stell dir mal vor, wir müssten nicht jedes Jahr sechs Monate warten, bis das Leben draußen wieder losgeht."
Diese Worte sind so oft gefallen, dass ich es nicht zählen kann. Am Anfang waren es nur Träumereien. Gedanken, die man ausspricht, bei denen man aber nicht glaubt, dass daraus jemals was wird. Aber dieses Thema hat so krass was in uns ausgelöst, dass es immer konkreter wurde.
Können wir uns das wirklich vorstellen? Können wir unsere 15 Jährige Hündin mitnehmen? Was ist mit unseren Sachen? Ist das Risiko zu groß? Was ist, wenn's nicht klappt? Was ist mit der "Sicherheit"? Und... wohin überhaupt?
Rückblickend kann man sagen: Wir haben angefangen, dieses Leben zu manifestieren. Damals hätten wir das nur nie so genannt. Wir haben uns einfach immer und immer wieder vorgestellt, wie unser Leben aussehen könnte, wenn wir uns trauen würden. Und dann waren wir angefixt. Aber sowas von.
Aus der Vorstellung wurde Realität
Aus unseren „Stell dir mal vor“-Gesprächen wurden mit der Zeit immer konkretere Überlegungen. Wir haben angefangen zu schauen, welche Länder überhaupt für uns infrage kommen könnten. Wo könnten wir uns vorstellen zu leben? Wie weit wollen wir überhaupt weg? Was müsste passieren, damit das Ganze wirklich funktioniert?
Irgendwann war die Idee so real, dass wir sogar unseren Eltern und engsten Freunden davon erzählt haben. Von unserem Plan, zumindest für eine längere Zeit Deutschland zu verlassen. Von den Orten, die gerade zur Auswahl standen und von dem Leben, das wir uns ein paar Monate vorher nur bei unseren Spaziergängen ausgemalt hatten.
Auf einmal war die Frage nicht mehr, ob wir gehen. Sondern wohin.
Warum ausgerechnet Thailand?
Gute Frage, nächste Frage. Thailand war am Anfang nicht mal im Gespräch. Wir hatten andere Länder und Orte im Kopf, die einige Stunden näher an Deutschland liegen und von denen wir teilweise schon Freunden und Familie erzählt hatten. Orte, mit denen sich beispielsweise meine Mutter, der das Ganze seeehr schwerfiel (bzw. immer noch fällt – Einzelkind und so), eher hätte anfreunden können.
Joa, und dann war da plötzlich Thailand.
Ich kann heute gar nicht mehr genau sagen, was letztendlich den Ausschlag gegeben hat. Es war viel weiter weg, als wir ursprünglich wollten. Wir waren noch nie da. Und eigentlich hätten wir wahrscheinlich genug Gründe gefunden, erst einmal irgendwo näher an Deutschland anzufangen. Aber irgendwie war da dieses Bauchgefühl.
Je mehr wir uns mit Thailand beschäftigt haben, desto mehr wollten wir genau dort hin. Natürlich gab es auch einige ziemlich gute Argumente für Thailand: traumhafte Strände, das warme Klima, die vergleichsweise niedrigen Lebenshaltungskosten (wenn man nicht ausgerechnet auf den teuren Touri-Inseln lebt), die gute Infrastruktur und die große internationale Community.
Und irgendwann haben Fabian und ich uns angeguckt und gesagt: Let's do this!
Gesagt, getan. Wir haben uns spontan ein One-Way-Ticket gebucht. Abflug in sechs Wochen. Seeehr sportlich. Vor allem, weil wir noch nichts gekündigt, verkauft oder geklärt hatten und niemand Bescheid wusste.
Und dann ging der Wahnsinn los und die Vorfreude war riesig. Auf das Land, das wir nur aus dem Internet kannten und das Leben, das uns dort erwartet.
Unser Ziel war loszugehen, nicht anzukommen
So verrückt die Entscheidung für viele vielleicht klingt... Für uns hat sie sich damals gar nicht so verrückt angefühlt. Wir hatten einfach nur richtig Bock. Vielleicht auch, weil wir nie mit dem Gedanken losgegangen sind: Thailand ist jetzt unser Zuhause für immer.
Wir mussten nicht wissen, wo wir in fünf Jahren leben würden. Ehrlich gesagt wussten wir nicht mal, wo wir ein paar Monate später sein würden. Und to be honest: Das hat sich bis heute nicht geändert. Wir wollten einfach erstmal los und schauen, wie sich dieses Leben anfühlt, von dem wir bei unseren Spaziergängen immer geträumt hatten.
„Und was macht ihr, wenn euch Thailand nicht gefällt?“ Keine Ahnung. Weiterziehen?! Wozu haben wir denn Beine?
Unser Ziel war nicht, anzukommen. Wir wollten losgehen.
Und wo stehen wir heute?
Seitdem ist eiiiniges passiert. Wir haben an verschiedenen Orten in Thailand gelebt, manche Dinge genauso geliebt, wie wir es uns vorgestellt haben, andere komplett anders erlebt, Pläne verworfen, neue gemacht, uns selbst nochmal ganz neu kennengelernt und standen auch als Paar hin und wieder vor Herausforderungen.
Und genau darum soll es auch auf diesem Blog gehen.
Um unser Leben im Ausland. Um Thailand. Um unsere Lieblingsorte und Erfahrungen. Um die schönen Seiten und die, über die weniger gesprochen wird. Um Entscheidungen, Zweifel, Bauchgefühl, Mindset und all die Dinge, die noch passieren. Denn angekommen sind wir definitiv immer noch nicht.
Und wer weiß, wo uns „Stell dir mal vor …“ sonst noch hinführt.
Auf jeden Fall nehme ich dich gern dabei mit. Schön, dass du hier bist und mich begleitest. Und hey: Props an dich, wenn du bis hierhin gelesen hast. Ich danke dir von Herzen. <3